Jugendlichen geht es laut Befragung etwas besser und sie hängen weniger am Handy
Von Gudrun Springer, 19. Jänner 2026, 13:05 aus Der Standard
8000 Jugendliche wurden im Rahmen von Schulworkshops zu mentaler Gesundheit und Mediennutzung befragt – die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, zeigen aber Trends auf
Die Lebenszufriedenheit junger Menschen nimmt wieder leicht zu. Das zeigt eine Erhebung unter rund 8000 Schülerinnen und Schülern im Alter von zehn bis 18 Jahren. Sie wurden im Anschluss an Mental-Health-Workshops an Schulen zu ihrem psychischen Wohlbefinden und zu ihrer Mediennutzung befragt. Am Montag wurden die Ergebnisse vom Verein zur Förderung eines selbstbestimmten Umgangs mit Medien (VSUM) gemeinsam mit Experten vorgestellt.
Zwar gaben 64 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwei Wochen mindestens an einzelnen Tagen Niedergeschlagenheit, Schwermut und Hoffnungslosigkeit empfunden zu haben. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die eine depressive Symptomatik aufweisen, ist den Daten zufolge, die seit 2023 jährlich erhoben werden, aber leicht gesunken.
"Das ist durchaus bemerkenswert, weil das etwas ist, das sich nicht so schnell verändert", sagte Studienautor Tobias Dienlin am Montag in der jährlichen Pressekonferenz zur Präsentation der Mental-Health-Days-Studie. Dienlin wertete bisher für das Publizistik-Institut in Wien die Daten aus und ist inzwischen an der Uni Zürich tätig. Buben berichten über mehr Lebenszufriedenheit als Mädchen. Jene Befragten, die sich als divers identifizieren, weisen die geringsten Zufriedenheitswerte auf.
Weniger Smartphonezeit
Zugleich gab es bei der Nutzung von Medien "nennenswerte Veränderungen", wie Dienlin ausführte: Demnach verbringen Schülerinnen und Schüler im Schnitt 190 Minuten am Tag mit ihrem Smartphone und damit eine halbe Stunde weniger als noch 2024. In sozialen Netzwerken wird um eine Viertelstunde weniger Zeit verbracht (insgesamt 80 Minuten) und auf Streaming-Plattformen ging die Nutzungsdauer um neun Minuten auf 83 Minuten zurück.
Mädchen verbringen mehr Zeit am Smartphone und Buben mehr mit Videospielen. Die Vermutung liegt nahe, dass der deutliche Rückgang in der Nutzungsdauer etwas mit dem im Mai in Kraft getretenen Handyverbot im Pflichtschulbereich zu tun hat, wie Dienlin als Vermutung äußerte.
International belastende Themen
Themen wie Krieg, Terrorismus, Klimawandel sowie die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich beschäftigen die jungen Menschen besonders, zeigt für Österreich die von Ö3 beauftragten Sora-Jugendstudie. In sämtlichen internationalen Studien seien es im Prinzip ähnliche Themen, führte Paul Plener aus, der die Uniklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uni Wien leitet.
Außerdem gibt es diversen Studien zufolge Risikofaktoren, die psychische Erkrankungen begünstigen können, darunter zum Beispiel belastende Erfahrungen, Peer-Einflüsse, Medieneinflüsse, gewalttätige Erziehung, Gewalterfahrungen und sozioökonomische Schwierigkeiten.
Mehr in Netzwerken
In der Befragung der Mental-Health-Days kommt heraus, dass Schülerinnen und Schüler, die keine österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, soziale Netzwerke deutlich intensiver nutzten. Allerdings zeigt sich bei dieser Gruppe laut Dienlin nicht ein so negativer Einfluss auf die Stimmung wie bei österreichischen Jugendlichen. Negativer wirken sich soziale Netzwerke zudem potenziell auf jüngere als auf ältere Jugendliche aus, sowie auf jene mit weniger gutem finanziellem Hintergrund, weiters auf Mädchen und sich als divers identifizierende Jugendliche.
600 Schulen seien für Mental-Health-Days angemeldet und stünden auf einer Warteliste, sagte Golli Marboe vom Verein VSUM. "Wir können jede finanzielle Hilfe brauchen, damit wir in noch mehr Schulen gehen können". (spri, 19.1.2026)
Von Gudrun Springer, 19. Jänner 2026, 13:05 aus Der Standard